Sächsischer Heilbäderverband

Kurorte Mitteldeutschlands stellen sich dem Fachkräftemangel

10.11.2017

Bereits zum vierten Mal trafen sich Vertreter der Heilbäderverbände Sachsens, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts zum gemeinsamen Branchentag. In diesem Jahr luden die Verbände ihre Mitglieder ins Sächsische Staatsbad Bad Elster im Vogtland. Vertreter von 30 mitteldeutschen Kurorten tauschten sich hier über die neuesten Entwicklungen im Kurwesen und der Gesundheitsvorsorge aus. Im Mittelpunkt in diesem Jahr: die weitere Entwicklung der Kurorte nach 2019 sowie der Fachkräftemangel. Gerade die Frage nach der Gewinnung von jungen, motivierten und gut ausgebildeten Fachkräften in den Gesundheits-, Gastronomie- und Hotellerieberufen treibt viele Kurorte um. Im Rahmen der Tagung trat zudem der Thüringer Heilbäderverband der Kooperation der drei mitteldeutschen Kurortverbände bei.

„Ob Kurgesellschaften, Thermen, Kurhotels, Rehakliniken oder auch Cafés und Restaurants - alle Betriebe in den Kurorten Mitteldeutschlands müssen sich derzeit ordentlich anstrengen, um an gute Fachkräfte zu kommen“, weiß Prof. Karl-Ludwig Resch, Präsident des Sächsischen Heilbäderverbandes e.V. zu berichten. „Und die Konkurrenz schläft nicht. Bei den Medizinberufen buhlen Krankenhäuser und Klinikketten mit attraktiven Angeboten, und in Gastronomie und Hotellerie haben es Arbeitsgeber im ländlichen Raum, wo unsere Kurorte ja liegen, sowieso schwer. Auch die Mitarbeitergewinnung etwa im zu Sachsen benachbarten Tschechien stößt mittlerweile an ihre Grenzen. Der Arbeitsmarkt in den grenznahen böhmischen Regionen ist ziemlich leergefegt.“

„Die Lage spitzt sich zu“, ergänzt Sibylle Schulz, Vorsitzende des Heilbäder- und Kurorteverbandes Sachsen-Anhalt e.V. „Vor allem Fachangestellte für Bäderwesen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden, Psychologen, Ärzte, Pflegepersonal oder Techniker und Hausmeister werden gesucht.“

Ergänzend beschrieb Marion Schneider, Inhaberin und Geschäftsführerin der toskanaworld-Gruppe in ihrem Vortrag auf dem Bädertag die Lebenseinstellung der jungen Generationen: „Junge Leute wollen schneller Verantwortung übertragen bekommen, mehr Freiheiten im Job und auch mehr Freizeit. Geld ist für sie nicht das Wichtigste, die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. Auch Karrierechancen sollten klar sein, junge Bewerber wollen diese schon im Erstgespräch erfahren. Wochenend- und Nachtarbeit ist sehr unbeliebt, denn diese Arbeitszeiten sind nicht kompatibel mit dem Bürojob des Partners. Hier werden wir wohl immer mehr personallose Rezeptionen mit Selbst-Eincheck-Systemen – auch online – sowie Selbstbedienungsrestaurants bekommen.“

„Die Kurorte müssen also kreativ sein, etwa mit Paketangeboten einschließlich Wohnungsvermittlung und Jobticket sowie attraktiver Bezahlung auch schon in der Ausbildung“, betonte Prof. Resch. „Aktive Personalsuche ist gefragt. Schließlich geht es um die Leistungsfähigkeit und die kurmedizinische Qualität der Kurorte!“

Wie Kurorte hier aktiv werden können, berichtete Thomas Richter, Vorsitzender des Brandenburgischen Kurorte- und Bäderverbandes e.V. und Bürgermeister von Bad Liebenwerda: „Flexible Arbeitszeitmodelle, Zusatzleistungen und sehr gute Karrierechancen sind wichtige Bausteine, ebenso natürlich die frühzeitige Azubi-Gewinnung durch Kooperationen, Jobmessen, Besuchertage und Praktika. Damit können Schüler rechtzeitig bei der beruflichen Wegeplanung unterstützt und abgeholt werden.“

„Insbesondere unsere Dienstleistungsberufe haben es bei der Arbeitsplatzsicherung und Personalgewinnung nicht leicht“, so Marion Schneider, „denn die weiterhin hohe Besteuerung von menschlicher Arbeit im Vergleich zu automatisierter Produktion in Deutschland bleibt ein Klotz am Bein. Dennoch: Wenn sich die Kurorte engagieren, dann kommen auch die jungen Leute.“

Während beim Fachkräftemangel alle Kurorte - ob in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und auch Thüringen - den gleichen Herausforderungen gegenüberstehen, sind die Strategien bei der Kurortentwicklung regional differenzierter. „Nicht jeder Kurort kann das gleiche Konzept fahren“, so Prof. Resch. „Dennoch hat sich beispielsweise die Kombination aus Therme und Kurhotel, die mit einem Bademantelgang miteinander verbunden sind, für die Kurorte als erfolgreich herausgestellt.“

„Bei den Angeboten sollten die Kurorte verstärkt Angebote für Familien anbieten. Also Pakete mit gesunder Ernährung und viel Bewegung zur Stärkung und Abhärtung des Immunsystems“, rät Sibylle Schulz. „Hier gibt es noch viel zu wenige Angebote. Auch pflegende Angehörige benötigen Auszeiten. Die Nachfrage für entsprechende Kurangebote ist da. So mancher Kurort bietet ja schon Kuraufenthalte kombiniert mit einer Kurzzeitpflege für den Pflegebedürftigen auch im Kurort. Diese Angebote müssen wir ausweiten. Hier lässt sich viel entwickeln.“

„Die Renaissance der ambulanten Kur wollen wir ebenso vorantreiben, und zwar mit neuen Produkten und neuen Angeboten rund um regionale Besonderheiten wie etwa Solebier und Solebrot“, wie Thomas Richter zu berichten wusste.

Zum Abschluss des diesjährigen mitteldeutschen Branchentreffs für Bürgermeister, Kurdirektoren und Geschäftsführer von Kurkliniken, Gesundheitsbädern und Medical-Wellness-Hotels in Bad Elster appellierten die Verbandsvertreter unisono an die Bundes- und Landespolitiker, das wirtschaftliche Gewicht der Heilbäder und Kurorte gerade auch in Mitteldeutschland stets im Blick zu haben. „Wir sind wichtige Leuchttürme im ländlichen Raum. Mit dem Beitritt des Thüringer Heilbäderverbandes kann unsere Verbändekooperation dies nun noch deutlicher unterstreichen“, bekräftigt Prof. Karl-Ludwig Resch.

Fotos: https://communication.meeco.net/press/saechsischer-heilbaederverband

Internet: www.kursachsen.de, www.kurorte-land-brandenburg.de, www.kuren-sachsen-anhalt.de

Für Rückfragen:

Sibylle Schulz (Vors. Heilbäder- und Kurorteverband Sachsen-Anhalt), Tel. 03928 70550

Helfried Böhme (GF Sächsischer Heilbäderverband), Tel. 0351-8975930 oder 0179-1280581

Sebastian Gallin (GF Brandenburgischer Kurorte- und Bäderverband), Tel. 0173-2932415

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